Medikamente für die operative Eingabe ins Auge

Die Stelle des schärfsten Sehens (Makula) kann durch verschiedene Erkrankungen betroffen werden. Zu den häufigsten zählen die feuchte altersbedingte Makuladegeneration (AMD), die Veränderungen durch die diabetische Retinopathie (Zuckerkrankheit der Netzhaut) und Veränderungen in Folge von venösen Gefäßverschlüssen der Netzhaut (Venenastverschluss, Zentralvenenverschluss). Bei all diesen Erkrankungen kommt es zu einer Verschiebung des Gleichgewichtes verschiedener Botenstoffe im Auge. Der Botenstoff VEGF (vascular endothelial growth factor) spielt hier eine große Rolle. Er stimuliert u.a. das Wachstum von neuen Gefäßen und reguliert die Durchlässigkeit der Gefäße (Permeabilität). Da es bei den oben genannten Erkrankungen zur Bildung neuer krankhafter Gefäße kommt oder eine Schädigung der Gefäßwände vorliegt, die zu einer Leckage („Undichtigkeit“) führt, handelt es sich bei den Medikamenten, die zur operativen Medikamenteneingabe ins Auge angewandt werden, meist um VEGF-Hemmer.
In manchen Fällen kann auch ein Steroid (Kortisonpräparat) angewandt werden, welches ebenfalls die Botenstoffe beeinflusst. Alle Medikamente führen dazu, dass die Wirkung des zu viel vorhandenen VEGF abgefangen wird. Durch diese Medikamente wird somit ein Wachstum krankhafter und undichter Blutgefäße gestoppt oder undichte, geschädigte Gefäßwände abgedichtet. Ein Fortschreiten der feuchten AMD oder ein Rückgang der Schwellung der Stelle des schärfsten Sehens (Makulaödem) kann somit erreicht werden. Da es sich um chronische Erkrankungen handelt, sind wiederholte Behandlungen erforderlich.

Die bei einer operativen Medikamenteneingabe weltweit am meisten verwendeten Medikamente sind Lucentis® (Ranibizumab), Avastin® (Bevacizumab) und Eylea® (Aflibercept).

Lucentis® (Ranibizumab) ist ein seit Februar 2007 in Deutschland speziell für die Behandlung am Auge zugelassenes Medikament. Der Wirkstoff von Lucentis® (Ranibizumab) ist vom Avastin®-Wirkstoff  (Bevacizumab) abgeleitet; siehe unten. Es handelt sich um ein rekombinantes, humanisiertes Antikörperfragment. Mittlerweile ist Lucentis® für die Behandlung folgender Erkrankungen am Auge zugelassen: feuchte altersbedingte Makuladegeneration (AMD), diabetisches Makulaödem (Veränderungen durch die Zuckerkrankheit im Bereich der Makula), Makulaödem in Folge eines venösen Gefäßverschlusses (Venenastverschluss und Zentralvenenverschluss) und bei Gefäßneubildungen (choroidalem Neovakularisationen, CNV) bei krankhafter Kurzsichtigkeit (pathologische Myopie). Die Wirksamkeit wurde in verschiedenen klinischen Studien für die unterschiedlichen Erkrankungen dargelegt (ANCHOR, MARINA, RESTORE, RESOLVE, BRAVO, CRUISE, RADIANCE).
Nach den vorliegenden Studienergebnissen muss für einen Großteil der Patienten allerdings von einer längeren Behandlungsdauer ausgegangen werden. Die Zulassung in Europa erfolgte mit der Empfehlung, dass Lucentis® zunächst 3x hintereinander monatlich angewendet wird. Ob weitere Behandlungen erforderlich sind, hängt vom individuellen Verlauf und Ansprechen ab.

Avastin® (Bevacizumab) ist ein dem Lucentis® (siehe oben) verwandtes Medikament und wird weltweit seit 2005 zur Behandlung der feuchten AMD häufig und mit positiven Behandlungsergebnissen eingesetzt. Avastin® wurde ursprünglich zur Tumorbehandlung entwickelt (auch hier wachsen neue Blutgefäße) und ist für die Behandlung verschiedener Tumorerkrankungen zugelassen. Für die Behandlung am Auge ist es bislang nicht zugelassen („off-label“), allerdings gibt es mit diesem Medikament die längsten Erfahrungen, da es seit 2005 in der Augenheilkunde weltweit angewandt wird. Es handelt sich hierbei um einen rekombinanten, humanisierten Antikörper. Avastin® wird klinischen bei den gleichen Erkrankungen wie Lucentis® eingesetzt. In mehreren klinischen Studien wurde eine dem Lucentis® ähnliche Wirksamkeit zur Behandlung der feuchten AMD beschrieben (z.B. CATT). Ähnlich wie bei Lucentis® war bei der überwiegenden Zahl der Patienten unter der Therapie mit Avastin® eine Stabilisierung und bei zahlreichen Patienten eine Verbesserung des Sehvermögens zu beobachten. Auch bei Avastin® ist von einer längeren Behandlungsdauer auszugehen. Häufigkeit und Länge der Behandlung richten sich nach dem Krankheitsverlauf. Zunächst sind wie beim Lucentis® drei Behandlungen im Abstand von 4 - 6 Wochen vorgesehen. Ob weitere Behandlungen erforderlich sind, richtet sich nach dem individuellen Verlauf.

Eylea® (Aflibercept) ist seit Ende 2012 in Deutschland zur Behandlung der feuchten AMD zugelassen. Es handelt sich um ein sogenanntes Rezeptor-Fusionsprotein. Die Wirksamkeit ist den Medikamenten Lucentis® und Avastin® vergleichbar, jedoch kann hier in der Dauertherapie der Abstand der einzelnen Behandlungen in einigen Fällen vergrößert werden. Die Wirksamkeit wurde in den klinischen Studien VIEW-1 und -2 gezeigt.

Alle 3 Medikamente werden in gleicher Menge und mit der gleichen operativen Technik in das Auge gegeben, so dass für den Patienten kein Unterschied zu erkennen ist. In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Kosten zunächst für drei Behandlungen - entweder mit Lucentis®,  Avastin® oder Eylea®  - sowie für die nach jeder Behandlung erforderlichen Nachuntersuchungen. Ein Problem bei  Lucentis® ist der sehr hohe Preis dieses Medikaments, das sehr viel teuer ist als Avastin® in der für die Augenbehandlung erforderlichen Menge.

Bei der Verwendung von VEGF-Hemmern kann eventuell das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht sein. Laut Fachinformation von Lucentis® wird das Risiko eines sog. arteriellen thromboembolischen Ereignisses (dazu zählen z.B. Herzinfarkt und Schlaganfall) auf 2,5% im ersten Jahr nach der Verwendung von Lucentis® geschätzt und ist damit höher als in der  entsprechenden Vergleichsgruppe gleichen Alters (1,1%). Nach zwei Jahren war ein solcher Unterschied nicht mehr nachweisbar. Bei ca. 30% der Patienten kann die Verschlechterung des Sehvermögens durch das krankheitsbedingte Fortschreiten der feuchten AMD trotz der Behandlung mit  VEGF-Hemmern nicht aufgehalten werden. In diesen Fällen kann evtl. das Medikament gewechselt, eine zusätzliche photodynamische Therapie angewendet oder ggf. auch auf andere chirurgische Verfahren ausgewichen werden.

Ozurdex® (Dexamethason) ist ein Kortisonpräparat, zugelassen zur Behandlung eines Makulaödems in Folge eines venösen Gefäßverschlusses (Venenastverschluss und Zentralvenenverschluss) sowie in Folge einer Uveitis. Der Wirkstoff kann verschiedene Botenstoffe im Auge regulieren. Das Präparat wird als Implantat in das Auge gegeben. Somit wird der Wirkstoff langsam über Monate abgegeben, und es sind nicht so häufige Behandlungsintervalle notwendig. Das mögliche Nebenwirkungsspektrum enthält zusätzlich zu den bei den operativen Medikamenteneingaben ins Auge bestehenden noch die Möglichkeit, einen Grauen Star oder einen erhöhten Augeninnendruck zu entwickeln.

Quellenangabe: Diese Seite „Medikamente zur Behandlung der feuchten AMD“ ist weitgehend angelehnt an den Aufklärungsbogen „Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (feuchte AMD) mit VEGF-Hemmern durch operative Medikamenteneingabe in das Auge“ des Bundesverbands Deutscher Ophthalmochirurgen (BDOC).