Intravitreal injizierte Medikamente bei feuchter AMD

Die Ursache der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) sind neu gebildete krankhafte (undichte) Blutgefäße, die in die Makula eingewachsen sind. Das Wachstum dieser neuen Gefäße wird durch eine körpereigene Substanz namens VEGF (= vascular endothelial growth factor) stimuliert.

Die intravitreal injizierten Medikamente zur Behandlung der feuchten AMD gehören zur Gruppe der VEGF-Hemmer. Diese stoppen das Wachstum der neu gebildeten krankhaften Blutgefäße und verhindern so ein Fort­schreiten der feuchten AMD. Da es sich bei der feuchten AMD um eine chronische Erkrankung handelt, sind wiederholte Injektionen erforderlich. Voraussetzung für die intravitreale Injektion von VEGF-Hemmern ist, dass mittels Fluoreszenzangiographie die Diagnose einer feuchten AMD gestellt wurde.

Die zur Behandlung der feuchten AMD weltweit am meisten verwendeten Medikamente sind Lucentis® (Ranibizumab) und Avastin® (Bevacizumab):

Lucentis® (Ranibizumab) ist ein seit 2007 in Deutschland speziell für die Behandlung am Auge zugelassenes Medikament. Der Wirkstoff von Lucentis® (Ranibizumab) ist vom Avastin®-Wirkstoff  (Bevacizumab) abgeleitet; siehe unten. In klinischen Studien fand sich bei der überwiegenden Zahl der Patienten unter der Thera­pie mit Lucentis® eine Stabilisierung und bei ca. 30% sogar eine deutliche Verbesserung des Seh­vermögens, so dass an der Wirksamkeit dieses Medikaments kein Zweifel besteht. Nach den vorliegenden Studienergebnissen muss für einen Großteil der Patienten allerdings von einer längeren Behandlungsdauer ausgegangen werden. Die Zulassung in Europa erfolgte mit der Empfehlung, dass Lucentis® zunächst 3x hintereinander monatlich angewen­det wird. Ob weitere Behandlungen erforderlich sind, hängt vom individuellen Verlauf und Anspre­chen ab.

Avastin® (Bevacizumab) ist ein dem Lucentis® (siehe oben) verwandtes Medikament und wird weltweit seit 2005 zur Behandlung der feuch­ten AMD häufig und mit positiven Be­handlungsergebnissen eingesetzt. Avastin® wurde ursprünglich zur Tumorbehandlung entwickelt (auch hier wach­sen neue Blutgefäße) und ist für die Behandlung verschiedener Tumorerkrankungen zugelassen. In mehreren klinischen Studien wurde eine dem Lucentis® ähnliche Wirksamkeit zur Behandlung der feuchten AMD beschrieben. Ähn­lich wie bei Lucentis® war bei der überwiegenden Zahl der Patienten unter der Therapie mit Avastin® eine Stabilisierung und bei zahlreichen Patienten eine Verbes­serung des Sehvermögens zu beobachten. Auch bei Avastin® ist von einer längeren Behandlungsdau­er auszugehen. Häufigkeit und Länge der Behandlung richten sich nach dem Krankheitsverlauf. Zunächst sind wie beim Lucentis® drei Be­handlungen im Abstand von 4-6 Wo­chen vorgesehen. Ob weitere Behandlungen erforderlich sind, richtet sich nach dem individuellen Verlauf.

In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Kosten zunächst für drei Behandlungen - entweder mit Lucentis®  oder mit Avastin®  - sowie für die nach jeder Behandlung erforderlichen Nachuntersuchungen. Ein Problem bei  Lucentis® ist der sehr hohe Preis dieses Me­dikaments, das sehr viel teuer ist als Avastin® in der für die Augenbehandlung erforderlichen Menge.

Bei der Verwendung von Lucentis® kann eventuell das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht sein. Laut Fachinformation von Lucentis® wird das Risiko eines sog. arteriellen thrombo­emboli­schen Ereignisses (dazu zählen z.B. Herzinfarkt und Schlaganfall) auf 2,5% im ersten Jahr nach der Verwendung von Lucentis® ge­schätzt und ist damit höher als in der  ent­sprechenden Vergleichsgruppe glei­chen Alters (1,1%). Nach zwei Jahren war ein solcher Unterschied nicht mehr nachweisbar. Das Risiko thromboembolischer Ereignisse bei der Anwendung von Avastin® am Auge ist nach neuen Studienergebnissen (CATT-Studie) tendenziell niedriger als bei Lucentis®. 

Bei ca. 30% der Patienten kann die Verschlechterung des Sehvermögens durch das krankheitsimmanente Fortschreiten der feuchten AMD trotz der Behandlung mit Lucentis® oder Avastin® nicht aufgehalten wer­den. In diesen Fällen kann evtl. das Medikament gewechselt, eine zusätzliche photodynamische Therapie angewendet oder ggf. auch auf andere chirurgische Verfahren ausgewichen werden.


Quellenangabe: Diese Seite „Intravitreal injizierte Medikamente bei feuchter AMD“ ist weitgehend angelehnt an den Aufklärungsbogen „Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (feuchte AMD) mit VEGF-Hemmern durch operative Medikamenteneingabe in das Auge“ des Bundesverbands Deutscher Ophthalmochirurgen (BDOC)


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